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22. Dezember 2016;

Mit ausreichend Puffer zur Verschiffung des Flying Laptop zum Startplatz wurden die großen operationellen Systemtests des Satelliten erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen dieser Systemtests wurden operationelle Szenarien, wie sie später während des Satellitenbetriebs im Orbit vorkommen, mit dem gesamten Satellitensystem getestet. Es wurden dabei einmal die ersten drei Tage nach Trennung des Satelliten von der Rakete “durchgespielt”, während der Satellit im Orbit in Betrieb genommen wird (“LEOP Test”) und einmal ein nominelles Szenario über eine Woche in der Routinephase mit simulierten Erdbeobachtungskampagnen, Herunterladen der Bilddaten, Wartung des Satellitensystems, usw. durchgeführt (“Week-in-the-Life Test”).

Beide Szenarien wurden sowohl am Simulator als auch mit dem Flugmodell des Satelliten getestet. Bei beiden Testobjekten sollte das Langzeitverhalten der on-board Software sowie das dauernde Speichern, Abfragen und Löschen von Telemetriedaten getestet werden. Am Simulator stand außerdem das richtige Verhalten des Satellitensystems bzw. der on-board Software in verschiedenen operationellen Szenarien im Bezug auf Lage- und Temperaturregelung sowie die Energieerzeugung im Vordergrund. Am Flugmodell ging es vor allem darum, die Satellitenhardware über einen längeren Zeitraum operationell zu betreiben und die Interaktion mit der Software zu überwachen.

Die Tests beinhalteten die Simulation von Orbits mit entsprechenden Lade- und Entladezyklen der Batterie aufgrund der Sonnen- und Schattenzeiten sowie nur sehr begrenzten Überflugszeiten über die Bodenstationen (ca. 1h pro Tag über zwei simulierten Stationen). Während dieser kurzen Kontaktperioden müssen dabei eine Vielzahl von Kommandos mit Zeitstempeln zur späteren Ausführung zum Satelliten geschickt werden und gleichzeitig die in der Zwischenzeit gesammelten und an Bord zwischengespeicherten Telemetriedaten heruntergeladen werden. Im Rahmen dieser Tests wurde der Satellit bzw. der Simulator von dem neu eingerichteten Kontrollraum aus gesteuert. Auf diese Weise konnte das Gesamtsystem aus Satellit und Missionskontrollzentrum unter verhältnismäßig realistischen operationellen Bedingungen im Ganzen getestet werden.

Die Tests verliefen im Ganzen erfolgreich. Die Satelliten Hard- und Software (und auch die Simulatorsoftware) liefen sehr stabil über die gesamte Testdauer und es konnte die gesamte aufgezeichnete Telemetrie heruntergeladen werden. Die Datenanalyse zeigte, dass die wesentlichen Systeme wie erwartet funktioniert haben. Beispielhaft zeigt die Abbildung den Verlauf von vier Temperaturen über den “Week-in-the-Life Test” am Simulator. Man erkennt, dass das Payloadmodul des Satelliten (grüne Kurve) in der Simulation stark auskühlt, aber vom Thermalkontrollsystem stets im Bereich zwischen -7°C und -4°C gehalten wird. An manchen Stellen steigt die Temperatur auf über 0°C, nämlich wenn eine der Kameras für den Betrieb per Kommando vorgeheizt wurde. Natürlich wurden auch verschiedene kleinere Fehler sowohl in der Bodeninfrastruktur als auch in der on-board Software des Satelliten gefunden und behoben.